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13.07.17 - Paralympisches Trainingszentrum in Illinois (USA)

ein Bericht von Christoph Etzlstorfer

Text: Christoph Etzlstorfer

Paralympisches Trainingszentrum Illinois

200 Kilometer südlich von Chicago liegt die Universität von Champaign in Illinois. Ein Campus von der Größe einer Kleinstadt für 43.000 Studenten.
23 Nobelpreisträger in den 150 Jahren des Bestehens und großzügige Sportanlagen prägen den ersten Eindruck. Der Campus ist nicht nur rauchfrei, sondern vor allem auch barrierefrei.

Rollstuhlfahrer können hier nicht nur Sport und Studium optimal kombinieren, sondern sogar auf Grund ihrer sportlichen Leistungen Stipendien fürs Studium bekommen. Rollstuhlbasketball gibt es seit 1948, Leichtathletik seit den 1960er Jahren.
Vor allem in der Anfangszeit war es wichtig, dass die Studenten, meist Veteranen des zweiten Weltkriegs, sowohl beim Sport als auch beim Studium gut waren. Schließlich wollten sie ihre Leistungsfähigkeit in einer Zeit unter Beweis stellen, als Rollstuhlfahrern noch nichts zugetraut wurde.

Derzeit gibt es bei den Rennrollstuhlfahrern 24, die dort trainieren und studieren. Bei dem Kurs, an dem ich als "observing coach", also quasi als Trainerlehrling, teilnahm, waren 15 Teilnehmer, die zum Teil aus Schulen kamen.
Bei drei Trainingseinheiten pro Tag lernten die Neulinge von den erfahrenen Sportlern. Zum Teil war ich auch noch bei den Einheiten der Profis dabei.

Trainiert wird auf der Bahn, auf der Straße und wegen der Kälte im Winter (zum Teil unter minus 15 Grad) oder der Hitze im Sommer (beim Kurs meist schwül heiß bei über 30 Grad) auf den Rollen.
Im Trainingszentrum stehen 11 Trainingsrollen zur Verfügung, die an der Uni entwickelt wurden und bei denen man sogar die Leistung in Watt ablesen kann.
Eine Werkstatt für Reparaturen und für die 3-D Drucker für Rennhandschuhe, ein großer Kraftraum und Büros vervollständigen das Zentrum. Aufgebaut wurde es mit Unterstützung namhafter Sponsoren.
Vor dem Zentrum gibt es Freiflächen für Basketball, etwa zwei km entfernt die Laufbahn. Das Personal, Trainer und Bürokräfte, sind an der Uni angestellt.

Der größte Vorteil des Zentrums liegt aber weniger in der technischen Ausstattung, sondern vielmehr darin, dass viele gute Sportler miteinander trainieren und sich gegenseitig anspornen.
Dazu kommt, dass bei sehr vielen Einheiten der Trainer dabei ist. Von dort kommen seit vielen Jahrzehnten Weltmeister, Paralympics-Sieger und Weltrekordler.

Verglichen mit Sportlern, die zuhause trainieren, sind die Wege sehr kurz. Training, Studium, Wohnen und Essen ist so nahe beisammen, dass man nur selten ein Auto braucht.

Ich bin schon vor mehr als 25 Jahren bei Rennen mit dem Rennrollstuhl gegen Athleten von dort gefahren.
Aus dieser Zeit habe ich noch Kontakt mit dem damaligen Head-Coach Marty Morse. In langen Gesprächen diskutierten wir die Trainingsphilosophie für Rollstuhlfahrer und taktische Aspekte. Die Sportler spielen im Training ganz konkret Rennsituationen durch.

Für mich war das eine äußerst interessante Woche, wo ich neben Marty auch noch ehemalige Sportler traf.
Die grundlegende Erkenntnis deckt sich mit der, die ich beim Training mit den Kanadiern vor 25 Jahren schon fand. Technische Ausrüstung und gute Trainingsbedingungen sowie gutes Coaching erleichtern die Leistungsentwicklung, letzten Endes kommt es aber auf die Sportler an, die trainieren.