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Paralympics 2012 in London

Die Paralympics fanden vom 29.08. - 09.09.2012 in London statt.

Von unserem Verein waren 

dabei. Sie schildern hier ihre Eindrücke und Erlebnisse.


Walter Ablinger

So erlebte ich die XIV Paralympischen Sommerspiele von London 2012!

Text: Walter Ablinger

Es lässt sich kaum in Worten fassen, was ich bei meiner ersten Teilnahme an den Paralympischen Sommerspielen in London erleben durfte.

Für Sportler, egal ob mit oder ohne Behinderung, ist es das größte, an Olympischen oder Paralympischen Spielen teilnehmen zu können.
Einer langen und entbehrungsreichen Vorbereitung folgen während der Bewerbe starker, psychischer Erwartungsdruck.
Auch ich bin mit großen Erwartungen nach London gereist. Meine gesetzten Ziele, habe ich dabei voll und ganz erreichen können.

Vorbereitung:
Vor vier Jahren habe ich Dr. Christoph Etzlstorfer gebeten, mein Training zu steuern. Seine Grundbedingung war, dass ich mich auf eine Sportart konzentriere.
Zu diesem Zeitpunkt, war ich im Behindertenskikader, spielte Rollstuhlbasketball, nahm an Triathlons teil, ging Wakeborden und fuhr Handbike. Mein Coach brachte mich auf den richtigen Weg.
Woche für Woche steuerte er meine Trainingseinheiten und wurde zu einem richtig guten Freund. Genau 208 Wochen benötigte ich vom „Nobody zum Paralympicsieger“.
Dazu kam freilich auch noch Krafttraining, Mentaltraining, Physiotherapie, Energietherapie, Materialabstimmung, Hypoxietherapie, Ernährungsberatungen, Sportmedizinische und Sportwissenschaftliche Maßnahmen, u. v. m.

Die Eröffnungsfeier:
Ich kannte solche Feiern nur vom Fernsehen. Schon bei der Aufstellung vorm Stadion wurde mir klar, dass da was ganz emotionales auf mich zukommen würde.Der Einmarsch, als Österreich aufgerufen wurde, war einzigartig. In das voll gefüllte Stadion zu rollen und von der ganzen Welt beobachtet zu werden, ließ mir einige Schauer über den Rücken laufen.Die Show war gigantisch und ich weis heute noch nicht, wie man zigtausende Freiwillige in so eine perfekte Choreografie einbindet. Eine unvergessliche Feier.
 

Paralympische "Spirit":
Als letzte Vorbereitung für meine Bewerbe, die erst eine Woche nach der Eröffnungsfeier gestartet wurden, nutzte ich täglich die Möglichkeit, im Norden von London auf einer Trainingsstrecke meine Runden zu drehen.
Extrem fasziniert haben mich in den ersten Tagen die sportlich, fairen Wettkämpfe aller Teilnehmer.
In der Speisehalle waren alle 166 Nationen an einem Tisch. Egal ob Afghanen und Amerikaner, Juden und Araber, Schwarze oder Weiße, egal welche Rasse, Religion oder Hautfarbe. Hier gab es keine Konflikte, da geht es nicht um Macht, Öl, Geld, Krieg oder sonstigen Scheiß – da zählt alleine der Mensch.
Es hat mich auch persönlich sehr berührt, mit welchen extremen, körperlichen Einschränkungen manche Menschen ihr Schicksal so souverän meistern.
Zahlreiche Gespräche, haben meinen persönlichen Horizont wieder etwas erweitert.

Einzelzeitfahren über 16 km (2 Runden):
Mein erster Bewerb stand an und ich war von mir selber überrascht, wie ruhig ich an die Sache heranging.
Ich spürte den Druck, ließ ihn aber nicht in mich hinein. Abgebrüht spulte ich vor dem Rennen meine Konzentrations-, Aktivierungs- und Aufwärmphase herunter. Als ob nichts wäre. Ein Rennen wie jedes andere zuvor auch.
Am Start stehend, wollte ich einfach nur mehr los und der Welt mein Potential zeigen. Wie ein Rennpferd in der Box.
Ich kam gut ins Fahren und hatte ein super Gefühl. Extrem anstrengend, aber schnell.
Bei wichtigen Rennen fahre ich ohne Tacho, ohne Pulsmesser, ohne irgendwelche Daten. Ich kann mich zu 100% auf mein Gefühl verlassen.
Nach dem Zwischenfall mit dem belgischen Begleitfahrzeug habe ich nochmal alles auf eine Karte gesetzt und dabei Silber bei meinem ersten Paralympischen Bewerb gewonnen. Der Schweizer Heinz Frei war im Ziel 4,82 Sekunden vor mir, ich zweiter und Jean-Marc Berset, der Doppelweltmeister auch aus der Schweiz, den ich in meiner kurzen Handbikelaufbahn noch nie besiegen konnte, war noch auf der Strecke. Ich gratulierte Heinz und wartete gespannt.
Nach dem Zieleinlauf von Jean-Marc war klar, dass ich Zweiter war. Die Glückshormone schossen in meinen Körper wie eine Rakete – pure Freude überkam mich. Sehr viele Leute, haben mir zu einer Silbermedaille verholfen – vielen Dank an alle, für die vielen positiven Gedanken und guten Energien.

Straßenrennen über 56 km (7 Runden):
Zigtausende Zuseher (vor Ort, im Fernsehen, am Computer oder sonst wo), meine mitgereisten Familienmitglieder, die Rainbacher Fangruppe und natürlich auch allen, die wieder in irgendeiner Form an mich gedacht haben, haben mich an diesem Tag begleitet.

Ich spürte die Energie und mir gelang es, diese in Leistung umzuwandeln. Ich wollte einfach nur allen eine gute Show und ein tolles Rennen zeigen. Die Möglichkeit nutzen um „unseren Sport“ der breiten Öffentlichkeit nahezubringen. Den Menschen beweisen, dass man auch mit einer körperlichen Einschränkung im Stande ist, große Leistungen zu zeigen.

Der Tag ist abgelaufen wie in einem kitschigen Film.
Alles war so einfach, so normal, so locker, kein Anzeichen von Nervosität, kein Druck (wir Österreicher, hatten bis zu diesem Zeitpunkt schon zehn Medaillen – und ich meine Silberne), kein Stress, nichts konnte mich drausbringen – egal was auch passierte. Mit diesem Gefühl, ging ich auch in´s Rennen.
Ich war schon beim Bikecheck unbesiegbar. Mein Handbike hatte gerade mal ganz knapp über zehn kg. Auf dieser extrem hügeligen Rundstrecke am ehemaligen Formel-1 Kurs in Brands Hatch, ein wichtiges Kriterium.
Top motiviert, in der Form meines Lebens, mental unschlagbar und komplett fixiert, startete ich in´s Rennen. Der Rennverlauf war auch wie erwartet. Drei Schweizer und immer einer attackierte an den Anstiegen. Ich konnte alle Attacken „relativ“ mühelos mitgehen und hatte das Gefühl, dass wir nicht sehr schnell unterwegs waren.
Als wir aber in der dritten Runde die MH4 (Kniebiker), die noch dazu zwei Minuten vor uns gestartet sind, überholten, änderte sich meine Gefühlslage und unser Rennen wurde noch schneller. Es gelang mir, die gesamten 56 km aktiv mit zu gestalten.
Von Runde zu Runde, wurden wir weniger. Die drei Schweizer, der Italiener und ich bildeten die Spitzengruppe und ließen dabei keinen Zweifel, dass der Paralympicsieger aus unseren Reihen kommen wird. Die letzte der sieben Runden, war die schönste, schnellste, anstrengenste, taktischste, emotionalste und für mich auch die erfolgreichste.
An jeder Steigung schüttelten wir einen Konkurrenten ab. Am vorletzten Anstieg, es war der steilste Teil der Strecke, waren wir noch zu dritt. Vittorio Potesta hat die letzen zwei Runden sehr viel in das Tempo investiert und musste abreißen lassen. Am höchsten Punkt war ich ganz vorne, ließ aber meinem stärksten Konkurrenten Jean Marc Berset den Vortritt in die aller letzte Steigung hinein. Er attackierte erwartungsgemäß und ich hinten nach.
Bis 400 m vorm Ziel, ließ ich ihn fahren. Das Tempo war extrem hoch, sodass niemand mehr folgen konnte. Ich bin ein sehr mutiger Kurvenfahrer und wollte unbedingt in der letzten, vor dem Schweizer sein. Am Ende der Boxengasse vor der Kurve, setzte ich die entscheidende Attacke, kam als erster mit vollem Tempo um die Biegung, vorne liegend und nur noch 200 m zum Ziel.

Ich schloss die Augen, schaltete einen Gang leichter (so wie es mir Christoph immer schon gesagt hat) und erhöhte noch mal die Trittfrequenz, wurde dadurch noch schneller. Die Menschenmassen brüllten mich Richtung Ziellinie. Ca. 50 m vor dem Ziel, öffnete ich wieder die Augen und habe gesehen, dass Jean Marc ungefähr 20 m hinter mir war.
Noch vor der Ziellinie begann ich meinen Emotionen freien lauf zulassen, jubelte, ballte die Fäuste und schleuderte sie in den Abendhimmel von Brands Hatch. Ich hatte es tatsächlich geschafft, als erster die Ziellinie zu überqueren. Unmittelbar nach der Linie, musste ich einfach nur laut schreien.
Alle Energie, Gefühle, Emotionen, Kraft, Freude, und keine Ahnung was noch alles, hat sich so aufgestaut, ich musste einfach nur laut brüllen. Die ersten Gratulanten umarmten mich und ich begann zu weinen. Die Freudentränen liefen mir noch sehr lange über die Wangen und ich versuchte den Moment in mir abzuspeichern. Vielleicht, kann ich ihn wieder mal abrufen.
Als Krönung, nach den vielen herzlichen Glückwünschen, die im übrigen bis heute nicht weniger wurden, gab’s für mich noch mein Lieblingslied „die Nationalhymne bei der Siegerehrung“.

Schlußfeier, Empfänge und Danksagung:
Genau so bombastisch, wie für uns die Spiele begonnen haben, haben sie auch geendet. Eine perfekte Show, tausende begeisterte Zuseher, emotionale, unvergessliche Momente, die ich bis zu meinem Lebensende in mir tragen werde.

Eine riesengroße Anerkennung waren für mich die Empfänge in der Heimat. Der schönste und bedeutendste war sicherlich der in meiner Heimatgemeinde Rainbach im Innkreis.
Alle waren gekommen, vom Landeshauptmann bis zu den Volksschulkindern. Ich bin extrem Stolz auf die Anteilnahme und die Freude, die so viele Menschen mit mir teilen. Erfolg und Medaillen sind was herrliches, aber die Wärme und das Mitgefühl, die ich bei meinen Empfängen spüren durfte, stehen über allem.

VIELEN HERZLICHEN DANK AN EUCH ALLE!

Es gibt sehr viele Menschen, die mich in den letzen Jahren unterstützt haben, mir Rückhalt, Sicherheit und ihr Fachwissen gegeben haben.
Eigentlich liege ich nur im Handbike und ziehe meine Kreise, den Großteil meines Erfolges habt IHR zu verantworten. Euch gehört ein Großteil der Medaillen. Es würde den Rahmen sprengen, hier alle zu nennen.
Ich sage einfach nur DANKE an:
Marietta und die Kinder, Mama, Papa, Oma, Opa, alle meine Verwandten, Dr. Christoph, Petra, Max, Michael, Christoph, Willi, Ludwig, Erwin, Franz, Mirella, Christian, Peter, Joachim, Julia, Petra, Walter, Maria, Andrea mit dem gesamten Team, Pauline, Maria, alle mitgereisten Fans, Hildegard & Cyriak, Martina & Gerhard, Gerhard, Harald, Klaus, Stephan, Franz, Alois, Helmut, Birgit & Hannes, Irmi, Ulla, u. v. m……
Diese Liste könnte ins unendliche geführt werden, weil wirklich sehr viele Leute hinter mir stehen.

„Herzliches vergelt´s Gott“
EUER Walter


Egon Kramminger

London war schon eine Reise wert - unsere Medaillen blieben aber im Tower zurück...!

Text: Egon Kramminger

Mehr als 20 Tage liegt unsere Ankunft zurück und noch immer sind einige, unvergessene Eindrücke aus London gegenwärtig, als wären sie erst gestern passiert. Nicht alle, aber doch die meisten sind positiver Natur ...

Dann ging's ja schon los mit den Einzelbewerben.Darauf folgte noch der ...Da war zunächst unser
"Einzug" ins olympische Dorf
der mich ziemlich chaotisch anmutete.
Von den Tischtennisspielern war kein einziger, der wirklich zufrieden war mit seinem Zimmer.
Der Grundtenor betraf durchwegs die Größe dieser Zimmer, meines gehörte auch dazu.
Ich hatte zwar den Luxus, einen Balkonzugang „mein Eigen“ nennen zu dürfen, doch war die Bewegungsfreiheit im Zimmer auf dem freien Plätzchen mit ca. 2,5 m sehr eingeschränkt.
Links das Foto, das Zimmernachbar Christoph Etzelstorfer, von mir beim Schreiben meiner Mails nach Hause gemacht hatte. Rechts oben der dunkle Fleck (ein Bild an der Wand) zeigt die Begrenztheit dieser Ruheoase.

Empfang beim österr. Botschafter,
der zunächst von mir als etwas lästiger Termin empfunden wurde und der zu einem höchst interessanten, weil sehr informativen Abend wurde.
Nach der Begrüßung durch den Botschafter kam Dr. Leo Wallner auf mich zu, um mich zu begrüßen.
Dieses Begrüßungsgespräch mutierte zu einer sehr netten Unterhaltung, in welcher Dr. Wallner mehrmals aufstand um mich vom Buffett mit Essen und Trinken zu versorgen und wir uns ausführlich über gemeinsame Bekannte und überraschenderweise sogar gemeinsame Freunde unterhielten. Auch stellte er mir seinen sympathischen Sohn vor der, so wie bei den Olympics der Nichtbehinderten auch, während der Paralympics im Austriahaus am Trinity Square arbeitete.

Meine Auslosung war nicht unbedingt das was ich mir gewünscht hätte. Von den vier möglichen Gegnern bekam ich gerade den für mich unangenehmsten: den deutschen Brüchle als Nummer eins in meine Dreiergruppe.
Thomas Brüchle, der vor einem Jahr in Bayreuth im internationalen Tischtennis in der Klasse VIER auftauchte und dann plötzlich zu einem Klasse DREI Spieler klassifiziert wurde.
Mein zweiter Gegner war der altbekannte Miguel Rodriguez. Da nur der Sieger aufsteigen konnte durfte man sich keine Niederlage erlauben.

Im ersten Spiel gegen den Spanier war auch vom Anfang an alles klar und ich gewann überlegen 3:0.
Im Spiel gegen den Deutschen Brüchle sah die Sache gleich anders aus. Sein erstes Service retournierte ich ganz kurz auf seine Vorhand, normalerweise mein Punkt aber er hat sich nach vor gestreckt, bekam einen „ganz langen Arm“ und SCHLUG diesen sehr kurzen Abpraller für mich überraschend und unnehmbar ab.
Da spürte ich, dass es noch schwieriger werden würde als bei den beiden vorigen Begegnungen (die er beide gewann).
Die Satzergebnisse waren dann auch denkbar knapp 11:09 (Netzkante beim Satzball), 11:09 und 12:10 (Netzkante beim Matchball). Somit war ich Gruppenzweiter und aus dem Bewerb ausgeschieden.

Bis zum Teambewerb waren dann, durch das frühe Ausscheiden bedingt, einige freie Tage die ich mit Ruhe, sowie Regeneration und einigen Trips in´s Austriahaus, mit meinem Teampartner Manfred Dollman, verbracht habe.

Ich möchte aber nicht den Eindruck erwecken, dass diese Spiele für mich nicht positiv gewesen sind!!!

Zwei Tage vor Beginn des Teambewerbs begannen wir trotz allem, waren Manfred und ich ja früh ausgeschieden, in bester Stimmung mit den Trainingsvorbereitungen. Die aber leider durch Unstimmigkeiten untereinander etwas getrübt wurden.
Als Manfred dann, am späten Abend vor unserem Spiel gegen Korea, ebenfalls ein für ihn unliebsames Erlebnis hatte, das erst am nächsten Morgen durch ein Gespräch einigermassen bereinigt werden konnte, stand unser wichtiges Match am Abend unter keinem besonderes guten Stern.
So verlief es dann auch. Ich verlor überraschend gegen den stärkeren Koreaner, der eine aussergewöhnlich starke Form hatte, mein erstes Match 3:0.
Dollmann war im Match danach „völlig von der Rolle“. Der schwächere der beiden Koreaner ließ Manfred keine Chance und so stand es gleich 0:2.
Mein nächstes Einzel war dann mit 3:1 für mich, wie wir erwarteten. Jedoch war Manfred weit von seiner Normalform und er verlor das zweite Einzel ebenfalls.
Schade! Wir hatten zwar mit Korea einen schweren Gegner zugelost bekommen, doch schon Jahre nicht mehr gegen sie verloren!

Als ich Österreich verlassen habe, habe ich mir vorgenommen, unabhängig von den sportlichen Ergebnissen und losgelöst von negativem d´rum herum, dass es ja immer einmal geben konnte, jeden Tag in London zu geniessen.
Darum möchte ich meinen Bericht aus London nicht mit einem negativen Erlebnis abschliessen (meine Meinung zum Empfang in Wien ist ja hinlänglich bekannt und oft publiziert worden).
Weshalb ich mich bei allen, die uns einen so fulminanten Empfang am Flughafen in Linz bereiteten sehr, sehr herzlich bedanken möchte.

So, vielen vielen dank, Ihr habt mir, egal zu welchem Zeitpunkt Ihr an mich gedacht habt, sehr geholfen! So ganz am Ende möchte ich mich bei allen Daumendrückern und Tischtennisinteressierten noch einmal für ihre positiven Gedanken und Wünsche ganz besonders bedanken.
Vielleicht könnt Ihr Euch vorstellen warum jeder gute, positive Gedanke auch tatsächlich hilft.
Wenn nicht, dann möchte ich Euch ersuchen, sich vorzustellen in einer etwas schwierigen oder ungewöhnlichen Situation zu sein. Plötzlich realisiert man... zu Hause oder sonst wo denken 60, 70, 80, 90 Freunde an Euch, sie wünschen Euch alles gute und SIE GLAUBEN AN EUCH.
Glauben an Euer Können und Eure Kraft. Jetzt fällt es leichter, viel leichter auch noch sicherer, an sich zu glauben und die bevorstehenden Aufgaben bewältigen zu können.

Schaffe ich die Qualifikation wieder dann gilt für mich:

NACH DEN SPIELEN IST VOR DEN SPIELEN!


Christoph Etzlstorfer

Paralympics 2012 London

Text: Christoph Etzlstorfer
Foto: Klaus Althuber

An den Spielen in London nahmen 4250 Sportler aus 164 Nationen teil. Der Einmarsch dieser Sportler bei der Eröffnungsfeier am 29. August dauerte über zwei Stunden und wurde abgeschlossen durch den Auftritt des Teams aus Großbritannien, zu den Klängen von David Bowies „Heroes“.
Nicht nur die Eröffnung und die Schlussfeier waren ausverkauft, sondern auch die meisten Veranstaltungen. Das muss man sich vorstellen: das Leichtathletikstadion fasst 82.000 Zuschauer, und es war Tag für Tag ausverkauft.
Selbst auf der etwas abseits gelegenen Radstrecke waren ungeheure Zuschauermassen, die eine unglaubliche Stimmung mit sehr hohem Geräuschpegel schufen.
Wenn dann auch noch britische Sportler Erfolge feierten und vielleicht sogar von Kate, der Frau des britischen Thronfolgers geehrt wurden, dann kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr.

 

 

Quartier, Wettkampfstätten:
Untergebracht waren wir im paralympischen Dorf in Apartments für fünf bis sechs Personen, die Räume waren teilweise recht klein. Für acht Stockwerke in diesen Gebäuden gab es genau einen Lift, der für uns an manchen Tagen zur Geduldprobe wurde.
Das Essen im riesigen Essenszelt war sehr vielfältig und ausgezeichnet, der Weg dahin mit etwa zehn Minuten relativ kurz.
Viele der Bewerbe fanden in unmittelbarer Nähe zum Paralympic Village im Olympic Park statt. Athleten und Zuschauer konnten sie zu Fuß erreichen.
Lange Wege gab es für Radfahrer und Handbiker. Das Wettkampfgelände auf der früheren Formel 1 Strecke in Brands Hatch war nur mit dem Bus erreichbar, der dafür je nach Verkehr zwischen einer und zweieinhalb Stunden benötigte.
Durch diese langen Wege waren nicht nur wir Sportler, sondern auch die Betreuer ganz besonders gefordert. Für deren Einsatz bedanke ich mich an dieser Stelle ganz besonders.
Lange war der Weg auch zum Österreichhaus, in dem die Medaillenfeiern stattfanden. Dafür standen uns öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung, mit denen man ziemlich genau eine Stunde benötigte.

Bewerbe:
Die Handbikebewerbe fanden in Brands Hatch auf einer sehr hügeligen Runde von acht Kilometern, gewürzt mit 120 Höhenmetern, statt. Unmittelbar aufeinander folgende Abfahrten und Steigungen vermittelten das Gefühl einer Achterbahn. So fuhr ich nach einer Abfahrt mit über 65 km/h durch eine Kurve in die nächste Steigung hinein und kam oben mit acht km/h wieder heraus, schaltete also vom höchsten in den niedrigsten Gang herunter und gleich darauf bei der nächsten Abfahrt wieder hinauf.
Das Einzelzeitfahren fand am Mittwoch, dem 5. September statt. Bei angenehmen Temperaturen waren zwei Runden zurückzulegen, 16 km also. Ich konnte ein gutes Rennen fahren und erreichte damit den sechsten Platz mit nur 22 Hunderstel Sekunden Rückstand auf den Fünften.
Pech hatte ich am Freitag beim Straßenrennen über 48 km. Der Start war um 10:30. Also bestieg ich den Bus um 7:00 und war überraschend schnell schon um 8:00 auf der Strecke. Mein Bike wurde mit einem LKW des Veranstalters transportiert, der zwar auch um 7:00 abfuhr, allerdings erst um 9:30 ankam, mein Bike bekam ich erst um 9:45.
Normalerweise wärme ich mich zumindest eine Stunde lang auf. Die halbe Stunde, die mir jetzt blieb, war leider zu wenig.
Ich konnte zwar auf der ersten Runde noch mithalten, brannte dabei aber völlig aus, fiel in der Folge immer weiter zurück und belegte letztendlich abgeschlagen den achten Platz.
Das war leider die Enttäuschung der Spiele, der am späten Nachmittag dann der Höhepunkt mit Walter Ablingers Fahrt folgte. Aber dazu wird er selber noch mehr schreiben.
Der Teambewerb am Samstag war nur noch Formsache. Üblicherweise startet man dafür mit zwei Para-Männern und einer Para-Frau bzw. einem Tetra-Mann. Wir waren mit zwei Tetra-Männern und einem Para-Mann unterwegs, wurden damit allerdings nicht einmal letzter.

Abschlussfeier, Empfänge:
Beendet wurden die Spiele mit einer grandiosen Schlussfeier mit Auftritten von Coldplay und Rihanna.

Die lange Abreise am Montag hatte für uns eine erste Zwischenstation mit einem Empfang für die Medaillengewinner in Wien. Die übrigen Sportler und auch die Betreuer durften sich diesen Empfang, zum Teil noch im Flugzeug sitzend, zum Teil daneben stehend, ansehen.
Nach dem Weiterflug nach Linz gab es dort einen Empfang für alle Sportler und Betreuer aus OÖ durch viele Freunde, Familienangehörige, unsere Verbandsführung, sowie Vertretern der Medien und der Politik, angeführt durch Landesrat Viktor Sigl.

Schlussgedanken:
Die Begeisterung der Zuschauer in London war unglaublich groß und völlig ungewohnt.
Immer mehr zum Thema wird aber die Klassifizierung. Die Unterschiede in den einzelnen Klassen erscheinen oft sehr groß, gleichzeitig haben Sportler mit schwereren Einschränkungen immer weniger Chancen, an den Spielen teilzunehmen.
Die Medien spielen eine immer wichtigere Rolle, allerdings wäre es schön, wenn dieses Interesse sich auch auf die Zeit zwischen den Spielen ausdehnen würde.
Und zuletzt bleibt noch die Frage: Wo sind die jungen Sportler? Gerade im Rollstuhlsport ist das Durchschnittsalter der Athleten schon sehr hoch, junge Sportler können sich nur ganz vereinzelt durchsetzen.