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12.05.17 - Erfahrungsbericht über Kundalini-Yoga

von Reinhold Felhofer

Text: Reinhold Felhofer

Kundalini-Yoga, ein knapper Erfahrungsbericht

Ich wurde gebeten, einige Zeilen zum Kundalini-Workshop zu schreiben.
Vor einigen Wochen war vom RSC heindl OÖ ein "Schnupperabend", ein Kennenlernen von Kundalini-Yoga ausgeschrieben. Geleitet von Aranka Yell, einer Yogalehrerin. Etwa 15 bis 20 Personen, die meisten von uns im Rollstuhl, waren dabei.
Es begann um 18:30 und dauerte bis 20:00. Der Abend fand gute Resonanz. Darum wurde ein Block (11 mal am Freitag, je 1,5 Stunden) ausgeschrieben. Ich habe mich dazu angemeldet.
Der erste Abend war am vergangenen Freitag, in einem Raum im Pfarrhof in der Solarcity in Linz. Es sind nun acht Teilnehmer. Besser wäre es, am Boden sitzend oder liegend zu üben, aber es geht auch gut im Rollstuhl.

Was ist das nun: dieses Yoga? Wie soll ich es beschreiben?
Es ist ein Bewusstwerden, ein Eintauchen in ein "Mehr-Leben", ein Verbinden von Körper und Geist, Leib und Seele.
Zentral erfahren habe ich die Bedeutung des Atems, des Atmens, der Atmung. Durch das Spüren und Horchen auf den Atem komme ich weg vom Denken, vom ständig Kreisen am Verstand, vom Planen, vom Sich-Sorgen-machen, vom ständig Streben nach "Mehr", vom vermeintlich in die Zukunft planen müssen.
Durch den Atem komme ich hin zu einem Zustand des Guten, des Seins in der Gegenwart: des "Es ist gut so, jetzt und hier". Denn letztendlich gibt es ja nur die Gegenwart, oder nicht etwa?
Ich spüre: "Es ist gut, dass ich bin. Es ist gut, so wie ich bin. Es ist gut, dass ich hier bin." Wenn Gedanken kommen, dann lasse ich sie in mir vorbei ziehen, ohne an ihnen hängen zu bleiben. Ich schaue meinen Gedanken mit meinem inneren Auge zu wie den Wolken oder den Vögeln am Himmel. Und kehre dann wieder zum Atem zurück.
Es gibt da keinen Wettstreit, kein Schauen auf ein Unvermögen, auf ein Nicht-können oder auf Defizite. Es zählt nur der Augenblick.

Als zweites ist Yoga auch Körperübung, Bewegung des Körpers (soweit es einem eben möglich ist); bei mir eben der Arme und des Kopfes. Dabei werden auch mantraartig heilsame Silben gesungen.

Als drittes ist es Meditation. Es ist ein stilles, ruhiges, entspanntes Verweilen in der Gegenwart. Es darf der Atem kommen und gehen: nicht mehr ich atme, sondern ES atmet in mir.

Es war unglaublich, wie die Zeit dabei verging. Vom Empfinden her ist mir die Zeit wie im Flug vergangen.
Es war die gesamte Zeit um und es war schon 20:15. Ich hätte noch lange so sitzen mögen. Ich fühlte mich erfrischt und belebt wie nach einem belebenden, erfrischenden Bad oder wie wenn man nach einem erholsamen Schlaf frisch und munter aufsteht.

Was hat das mit mir gemacht? Manchmal, wenn ich im Bett liege oder als ich sonntags im Musiktheater ein Jazzkonzert besuchte oder auch sonst ab und zu: versuche ich ein bisschen mehr den Atem zu spüren oder so kleine Körperbewegungen zu machen.
Ich weiß nicht, ob es das war: jedenfalls bin ich bei dem Jazzkonzert hellwach gewesen die ganze Zeit, während ich beim letzten Besuch im Musiktheater eingeschlafen bin.
War es das Yoga oder war es das Stück damals: eine Oper in französischer Sprache? Ich kann es nicht genau sagen.
Was ich sagen kann: Yoga kann glücklich machen, daher ein Stück abhängig und ist gefährlich, da es einen verändert.

Ich freue mich schon auf den nächsten Yogaabend und auf die aufbauenden Worte der Yogalehrerin an uns alle: "Du machst es gut. Noch ein bisschen, dann hast Du es geschafft.. Du hast es gut gemacht…"