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23.10.15 - ÖSTM im Rollstuhlrugby

mit den Danube Steelers vom 17.10. - 18.10.2015 in Frohnleiten (Stmk)

Text: David Kühas

ÖSTM-Rollstuhlrugby Herbstdurchgang in Frohnleiten

Vom 17. bis 18. Oktober galt es den österreichischen Rollstuhlrugby- Staatsmeister der Spielzeit 2015/2016 zu küren.
Die "Four Aces" aus Niederösterreich hatten dabei alle Trümpfe in der Hand  -  sämtliche Vorzeichen für eine erfolgreiche Titelverteidigung schienen gegeben.
Die Gastgeber aus der Steiermark waren wohl als der härteste im Rennen um den Meisterteller verbliebene Konkurrent anzusehen, die “ Steirischen Eichen“ hofften nicht zuletzt aufgrund des Heimvorteils das Ruder doch noch herumreißen zu können.
Das Teilnehmerfeld wurde komplettiert von den "Rugbybulls" aus Salzburg, die dank der Unterstützung zweier deutscher Legionäre neuerlich eine durchaus schlagkräftige Truppe stellen konnten, sowie der Equipe des RSC heindl OÖ, den "Danube Steelers".
Die oberösterreichische Fahne hielten hoch: Christian „Mudi“ Wagner, Bruno Bosnjak, Christian Jurik, Sarah Obermayr, Rookie Dominik Perner, Richard Koller, Johannes Körner und David Kühhas.

Aufgrund des Fehlens der langjährigen Stützen Max Stroblmair und Christoph Etzlstorfer, sowie der Absage von Reinhold Felhofer konnten wir personell nicht aus dem Vollen schöpfen, nichtsdestotrotz warfen wir alles in die Waagschale, um unseren Kontrahenten das Maximum abzuverlangen.
Erstmals gingen wir unter der Führung des neuen Coaches Bosnjak, der sich, soviel sei vorweggenommen, mit dem Turnierverlauf zwar durchaus zufrieden zeigte, aber in sämtlichen Bereichen noch Verbesserungspotenzial ortete, in den Meisterschaftskampf.

Zum Turnierauftakt baten uns die steirischen Eichen zum heißen Tanz, diese Begegnung diente uns als perfekter Gradmesser.
Wagner, Bosnjak, Körner und Kühhas bildeten die Starting Four. In den ersten Minuten trug die taktische Marschrichtung Früchte, wir vermochten dem Gegner mithilfe von aggressivem Pressing das eine oder andere Time-out abzuknöpfen.
Mit Fortdauer des ersten Spielabschnitts verloren wir allerdings unsere spielerische Linie, worunter auch die strategisch-taktische Ausrichtung sowie einstudierte Automatismen litten.
Leider glückte es uns alsbald gar nicht mehr in der Defense Druck aufzubauen, wodurch es Schloffer und Co. ein Leichtes war, ihre Angriffe in Tore umzumünzen.
In der Offense gerieten wir hingegen zunehmend unter Druck, Abstimmungsprobleme und mangelndes Timing in gewissen Sequenzen spielten unseren Kontrahenten vortrefflich in die Karten. Diese Mixtur führte zum Resultat, dass der Vorsprung der konzentriert und abgeklärt auftretenden Gastgeber kontinuierlich anwuchs.
Wir kämpften wacker, abgesehen von einer kurzen Drangphase gegen Ende der Begegnung konnten wir jedoch leider nicht mehr entscheidend zusetzen. Nach 32 gespielten Nettominuten verließen die“ Steirischen Eichen“ verdientermaßen als Sieger das Feld.

Hervorzuheben bleibt natürlich, dass unser Fachwart Dominik Perner sein Debüt feierte. Er unterstrich, dass mit ihm in nächster Zeit zu rechnen sein wird.

In unserem zweiten Aufeinandertreffen des ersten Turniertages kreuzten wir mit dem derzeitigen Ligakrösus, den "Four Aces“ aus Niederösterreich, die Klingen.
In Anbetracht der körperlichen Überlegenheit des Titelträger eignete sich diese Begegnung ausgezeichnet dafür, neue spielerische Varianten auf die Probe zu stellen. Insbesondere den Jungspunden im Team bot sich die Gelegenheit weitere Erfahrung unter Matchbedinungen zu sammeln.
In Relation zu unserer Auftaktpartie kann man wohl resümieren, dass durchaus eine Leistungssteigerung zu erkennen war, wenngleich auch das nackte Ergebnis, nüchtern betrachtet, eine gegenteilige Mutmaßungen nahelegt.
Alle Spieler erhielten die Chance ihr Können unter Beweis zu stellen, gegen die erwartete Übermacht der Niederösterreicher war jedoch leider trotzdem kein Kraut gewachsen. Festzuhalten bleibt, dass sowohl der Einsatz als auch der Wille bei allen Akteuren am Feld absolut stimmte und Anlass dazu gab, positiv gestimmt dem finalen Showdown gegen Salzburg entgegenzusehen.

Nachdem vom Coach eine klare taktische Marschrute ausgegeben wurde, galt es das Turnierwochenende mit einem Sieg im Duell gegen die “Rugbybulls" versöhnlich abzuschließen.
In der Defense praktizierten wir ein Double auf den gegnerischen Playmaker, diese Strategie stellte die Mannen aus der Mozartstadt alsbald vor Probleme. Der taktische Kniff räumte unseren Highpointern die Möglichkeit ein, entsprechend großen Druck auf die verbliebenen Akteure Buchner, Müller und Maier auszuüben.
Dieses Unterfangen sollte sich früh bewähren und das Kräftemessen positiv zu unseren Gunsten beeinflussen. Die Turnover, die wir dank des beharrlichen und aggressiven Agierens gegen den Ball erkämpften, schlugen sich im ersten Viertel jedoch trotzdem nicht wirklich auf der Anzeigetafel nieder.
Unnötige, leichtsinnige und überhastete Fehler in den eigenen Angriffen brachten uns (zumindest vorerst) um den verdienten Lohn. So halfen wir den an und für sich unterlegenen Salzburgern Mal für Mal zurück ins Spiel, die mögliche frühe Vorentscheidung wurde verpasst.
Zu Beginn des zweiten Viertels sollte ein Tausch im Line-Up für frischen Wind sorgen unter unserem Spiel neue Impulse verleihen – Koller und Obermayr ersetzten Körner und Kühhas.
Die Partie wog hin und her, keines der beiden Teams konnte sich entscheidende Vorteile erarbeiten. In weiterer Folge verhalf taktisch ungeschicktes Verhalten unsererseits den Salzburgern auf die Siegerstraße, die nun auf einen Polster von fünf Toren Vorsprung bauen konnten. Wir steckten allerdings zu keiner Phase der Begegnung auf, glaubten weiter an unsere Fähigkeiten sowie an die Möglichkeit, dem Spiel neuerlich eine Wende zu geben.
Die“ Rugbybulls“ profilierten in dieser Phase sichtlich von der großen Erfahrung der beiden deutschen Nationalteamspieler Müller und Haberkorn.
Ungeachtet dessen vertrauten wir nach einer Rückkehr zur Starting Four weiterhin darauf, Haberkorn zu doppeln, dadurch den Druck auf seine Mitstreiter immerfort zu vergrößern und somit die Turnover früher oder später zu erzwingen. Bereits vor der Pausensirene glückte es uns mit dieser Strategie Erfolge zu verbuchen und unseren Rückstand entsprechend zu verkürzen.
Das eine oder andere Missverständnis in der Offense ließ das Defizit im dritten Viertel jedoch wieder kontinuierlich anwachsen, so dass wir uns beinahe das gesamte Spiel hindurch mit der Situation konfrontiert sahen, einem Rückstand hinterherlaufen zu müssen. Mit Leidenschaft, Herz, Engagement und einem insgesamt sehr couragierten Auftreten blieben wir stets in Schlagdistanz und ließen den Kontakt nie wirklich abreißen.
Dieser Umstand war für das Unterfangen, zur finalen Aufholjagd blasen zu können von essenzieller Bedeutung. Zu Ende des dritten Spielabschnitts lagen wir noch im Hintertreffen, hatten uns aber bis auf zwei Punkte auf die außer Konkurrenz agierenden Salzburger herangepirscht.
Beide Teams schenkten sich nichts, unsere Equipe machte sich mit leichten und teils unerzwungenen Fehlern, die auf errungene Turnover folgten, das Leben lange Zeit selbst sehr schwer. Maier und Kollegen rochen ihrerseits Lunte, im Bewusstsein, dass lediglich Nuancen den Ausgang dieses Aufeinandertreffen entscheiden würden.
Die Schlussphase des finalen Viertels sollte sich zu einem wahren Krimi entwickeln: drei Minuten vor dem Ertönen der Schlusssirene sahen wir uns nach wie vor mit einem Rückstand von zwei Toren konfrontiert. Turnover mussten her! Wir rissen uns am Riemen, zapften nochmals die eine oder andere Reserve an – schlussendlich sollten wir uns für die tolle Moral und das große Kämpferherz doch noch belohnen.
Eine neuerlich gut strukturierte Defensearbeit bescherte uns einen weiteren Turnover, den wir schließlich zum umjubelten Ausgleich verwerten konnten. Das Momentum war nun endgültig zu unseren Gunsten gekippt, wir gewannen unmittelbar vor Ablauf der Spielzeit  die Oberhand und gingen wenige Sekunden vor Ende durch ein erfolgreich erzieltes“ letztes Tor“ erstmals in Front.
In den verbleibenden zwei Sekunden hatte Salzburg nichts mehr entgegenzusetzen, der Rückstand war nicht mehr zu egalisieren.46:45! Spannender hätte wohl auch ein Drehbuchautor diesen Thriller nicht schreiben können!

Der Glaube an die eigene Stärke und an die Möglichkeit dieses Match doch noch für sich zu entscheiden hatten uns schlussendlich zum Sieg getragen.
Großer Kampfgeist und eine tolle Moral – die Eckpfeiler für einen verdienten Triumph in einem doch sehr kuriosen, zerfahrenen und von leichtfertigen Fehlern auf beiden Seiten geprägten Match. Der großartige Teamgeist und die geschlossen gute Mannschaftsleistung hatten den Unterschied ausgemacht.

Summa summarum erlebten die“ Danube Steelers“ ein lehrreiches Wochenende, an dem ihnen zum Teil die Grenzen aufgezeigt wurden. Es offenbarte sich, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.
Dennoch förderte die Herbstrunde wohl auch die Erkenntnis zu Tage, dass die überwiegend doch recht jungen Athleten großes Potenzial haben. Dieses gilt es weiterhin gezielt zu fördern und auszuschöpfen.
Die routinierten Spieler werden dem Nachwuchs dabei sicherlich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Gelingt es uns, diesen beschrittenen Weg auch zukünftig konsequent gemeinsam zurückzulegen, werden wir uns als Team sicherlich erfolgreich weiter entwickeln..

Wir gratulieren dem alten und neuen Staatsmeister, den“ Four Aces“ recht herzlich und möchten uns an dieser Stelle bei unseren Betreuern Romana und Gottfried bedanken, ohne die ein erfolgreiches Antreten wohl nur sehr schwer möglich gewesen wäre.